Die Kirche von Ostseebad Wustrow im Winter

Lage der Kirche von Ostseebad Wustrow:

Lage der Kirche in Ostseebad Wustrow

Bildquelle: Google Maps

Ort: 18347 Ostseebad Wustrow, Hafenstraße 2

Google Pluscode: 89VW+WP Wustrow

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Die Kirche befindet sich von Rostock kommend auf der rechten Seite an der Hafenstraße. Biegt man die Hafenstraße rechts ein, so besteht eine Parkmöglichkeit direkt am Hafen (kostenpflichtig). 

Was kann man in der Fischländer Kirche zu Ostseebad Wustrow machen?

Veranstaltungen und Gottesdienste:

In der Kirche finden regelmäßig Gottesdienste und unregelmäßig Veranstaltungen (z.B. Konzerte) statt. Welche das aktuell sind, erfährst Du aus den Aushängen an der Kirche bzw. im Haus des Gastes. Auch bei der evangelischen Kirchengemeinde gibt es einen Veranstaltungskalender. Manche Veranstaltungen sind kostenpflichtig. 

Besichtigung und Turmbesteigung:

Wenn keine Gottesdienste oder anderweitige Veranstaltungen sind, dann kannst Du die Kirche besichtigen und den Turm besteigen. In der Regel einfach die Kirche durch das Haupttor betreten. Sind Gottesdienste usw. dann ist das Haupttor zu, aber eine Turmbesteigung meist dennoch möglich. Hierzu am Haupttor nach rechts um die Kirche herum gehen bis zum Tor am Turm. Nachdem Du die steinerne Wendeltreppe und die Holztreppe an den Glocken vorbeigegangen bist, kommst Du auf die Aussichtsplattform mit einem wundervollen Blick  auf das Meer, den Ort und den Bodden. Auf keinen Fall den Fotoapparat/Handy vergessen und ein Fernglas ist auch nicht schlecht. 

Vorsicht: Bei ungünstigem Wetter ist es auf dem Umgang des Kirchturms sehr windig und kalt. Hier entsprechende Vorsicht walten lassen. Die Wendeltreppe ist recht steil! Zur vollen Stunde bzw. auch um halb fängt die Gerichtsglocke an zu schlagen. Es ist nicht empfehlenswert gerade um 12 Uhr danebenzustehen, falls Du Dein Gehör noch länger erhalten möchtest! Noch gefährlicher, wenn die großen Glocken zu läuten anfangen!

Sehenswürdigkeiten der Fischländer Kirche in Ostseebad Wustrow

Die Kirche als Bauwerk selber:

Leider haben die meisten Menschen heutzutage kaum noch Sinn für die Schönheit nordischer Backsteinbauten an sich. Also nicht gleich darauflosstürzen und nach Gold und Silber in der Kirche suchen (das gibt es dort nicht), sondern einfach die Kirche selbst auf sich wirken lassen. Der schöne Bau ist nicht überladen - aber dennoch mit vielen schmückenden Elementen. Unten mit einem Sockel aus Granitsteinen. Oben aus Ziegelsteinen. Lehm war in Norddeutschland ein einfach zu beschaffender Rohstoff und die gebrannten Ziegel ergaben unzählige Gestaltungsmöglichkeiten. 

Der Altar:

Der Altar ist dreiflügelig und besteht aus Holz. Das Altarbild wurde vom Maler Gustav Stever (1823-1877) geschaffen. Es ist ein Geschenk des Großherzogs Friedrich Franz II. Auf ihm ist Petrus zu sehen, welcher gerade im Meer zu sinken droht und durch Jesus gerettet wird. In der Bibel (Matthäus 14,22-33) steht dazu folgendes:

Jesus und der sinkende Petrus auf dem Meer
22 Und alsbald drängte Jesus die Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm ans andere Ufer zu fahren, bis er das Volk gehen ließe.
23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er auf einen Berg, um für sich zu sein und zu beten. Und am Abend war er dort allein. 24 Das Boot aber war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen.
25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer. 26 Und da ihn die Jünger sahen auf dem Meer gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht. 27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!
28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. 29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. 30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! 31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
32 Und sie stiegen in das Boot und der Wind legte sich. 33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

Quelle:https://www.die-bibel.de/bibeltext/Mt+14%2C22/

Das Motiv wurde nicht zufällig gewählt. Als Ort der Seeleute, welche auf den Segelschiffen den Tod ständig auf ihren Reisen befürchten mussten, war Petrus ein Schutzpatron der Seefahrer.  

Das altgotische Taufbecken:

Es ist das einzige Stück, was von der alten Feldsteinkirche noch übrig geblieben ist. Das Taufbecken besteht aus Kalksandstein und ist recht groß. Neugeborene wurden früher mehrmals darin untergetaucht. Später ging man jedoch dazu über nur noch Taufschalen einzusetzen, das das vollständige Eintauchen für die Gesundheit der Babys nicht besonders gut war. Zumal es in den Kirchen früher auch oft bitterkalt war. 

Vermutlich besaß das Taufbecken früher noch eine Abdeckung aus Metall. Ich denke mal, dass diese bereits in dem 30-jährigen Krieg den Plünderungen zum Opfer fiel. 

Die drei Schiffsmodelle:

Es gibt drei große Schiffsmodelle in der Kirche. An der Nordempore die "Deo Gloria" (zur Ehre Gottes), an der Südempore die "Cristiana" (ein Votivschiff) und im Kirchenschiff die "Hoffnung" (Votivschiff). Die "Deo Gloria" wurden von Kapitän Saeger gebaut und gespendet.  

Alle drei Schiffe wurden von Wustrower Seeleuten gestiftet. 

Vor Kurzem wurden die drei Schiffe von Gerhard Frankenstein aus Stade unentgeltlich restauriert. Das Schiff "Deo Gloria" erhielt dabei Segel aus altem Segeltuch. Vorher hatte es keine Segel. 

Geschichte der Fischländer Kirche in Ostseebad Wustrow:

Der Sage nach hat der Slawengott Svantovit (Swantewit) den Kirchhügel in nur einer Nacht mit den Hufen seines Schimmels aufgeworfen. Danach baute er dort sein Heiligtum  und verteidigte dieses gegen seine Feinde. Der Gott Svantovit war der Kriegsgott der Slawen und hatte vier Gesichter, welche alle in eine bestimmte Himmelsrichtung schauen. An der Seebrücke zu Wustrow findest Du eine Skulptur aus Stein von Svantovit. In der Regel waren die Abbildungen jedoch aus Holz, sodass von Ihnen heute nichts mehr übrig ist. 

Auf dem Hügel wurde im 14. Jahrhundert eine dreischiffige Kirche (mit erhöhtem Mittelschiff) im gotischen Stil errichtet und dem Pilgerpatron Jodokus geweiht. 

Mit der Zeit wurde aber die alte Feldsteinkirche zu baufällig und wurde schließlich 1869 abgetragen. Die Bauherren und Forscher waren sehr neugierig, ob sich darunter noch Reste des slawischen Tempels befinden könnten. Leider fand man dort nichts. Man stellte aber fest, dass der Kirchberg nicht natürlichen Ursprungs ist, sondern künstlich aufgeschüttet wurde. Die Beschaffenheit ist so, dass auch eine natürliche Aufschüttung durch Wind nicht infrage kommt. Der Sand muss auch von weiter her stammen, da er nicht mit dem eher morastigen Untergrund der Umgebung zusammen passt. 

Nach einem Entwurf von dem Architekten Theodor Krüger (Kirche Warnemünde, Paulskirche Schwerin, Kirche in Barnim, Klosterkirche Dobbertin und viele andere), wurde die neue Kirche bereits am 14. September 1873 neu eingeweiht. Von der alten Kirche wurde nicht viel übernommen. Bis heute übrig geblieben ist eigentlich wohl nur das große alte gotische Taufbecken (Tauffünte) aus Kalksandstein. Früher hatte dieses anscheinend noch einen eisernen oder kupfernen Deckel. Dieser ist jedoch nicht mehr vorhanden. Für heutige Verhältnisse der das Taufbecken sehr groß, jedoch war es im Mittelalter durchaus üblich die Kinder dreimal unterzutauchen. 

Sie wurde im neugotischen Stil aus Backsteinen errichtet. Der Grundriss ist kreuzförmig. Die Kirche besitzt einen Turm mit einem Umgang in 18 m Höhe. Von dort aus hat man einen wunderschönen Ausblick auf Wustrow, den Bodden und die Ostsee. Zu früherer Zeit wurde der Kirchturm von angehenden Seeleuten zur Navigationsausbildung verwendet. Aber auch Schiffe die auf der Ostsee und dem Bodden fuhren, orientierten sich am weit hin sichtbaren Turm. Oben befindet sich eine Turmuhr mit römischen Ziffern, welche in Richtung Dorf zeigt. Zur jeder halben und vollen Stunde ertönt ein Glockenschlag von einer extra Glocke, welche eine mittelalterliche Gerichtsglocke ist und erst 1977 angebracht wurde.

Im Turm gibt es drei Glocken. Diese sind aus dem Jahre 1957 und wurden von Schilling bei Apolda als Stahlguss hergestellt. Alle alten Glocken wurden in der Zeit des ersten und des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen. Mittlerweile klingen diese nicht mehr so gut, sodass sie in naher Zukunft durch neue ersetzt werden sollen. 

Um die Kirche herum befand sich bis zum Jahre 1832 der Friedhof, welche aber seit dieser Zeit nicht mehr genutzt und durch einen neuen großen Friedhof in der Nähe der Mühlen ersetzt wurde. Ich persönlich kann mich noch erinnern, dass in den 70-ziger Jahren rund um die Kirche noch Gräber aus dieser Zeit erhalten waren. 

 

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