Fischland und Ostseebad Wustrow

Interessante, aktuelle und historische Informationen zum Ort Ostseebad Wustrow auf dem Fischland und dem Fischland selbst. 

Ostseebad Wustrow ist ein Dorf an der Ostseeküste. Es liegt auf der wunderschönen Halbinsel Fischland/Darß. Auf der nördlichen Seite befindet sich die Ostsee mit Salzwasser (mit ca. 1,5-2 % Salzgehalt) und auf der südlichen Seite befindet sich der Saaler Bodden mit Süßwasser. Das unmittelbare Gebiet vor Wustrow bis hin zum Grenzweg in Althagen nennt man das Fischland. Früher gab es hier Seitenarme des Flusses Recknitz zur Ostsee, welcher durch die Vermengung von Salz- und Süßwasser zu Brackwasser ideale Bedingungen für die Fische bot. Insbesondere der Hering bevorzugte dieses Gebiet. Dadurch konnten die Fischer hier große Mengen Fisch anlanden. So entstand der Name Fischland.
Hier soll der Legende nach, sogar der legendäre Seeräuber Klaus Störtebeker, durch die Kanäle nach der Mündung des Flusses Recknitz gefahren sein.  

Diese Zugänge vom Bodden zur Ostsee gibt es nicht mehr. Den Hanseaten sahen in den kleinen Häfen eine Konkurrenz. Ende des 14. Jahrhunderts sendeten sie bewaffnete Soldaten aus. Diese beluden Schiffe mit Steinen und versenkten sie in den sensiblen Seitenarmen der Recknitz. Eine Passage mit größeren Schiffen wurde dadurch unmöglich. Es kam zu einer schnellen Versandung der Zuflüsse und der Fluss Recknitz hat sich andere Abflussmöglichkeiten gesucht. Zwar haben Sturm und Hochwasser die Durchfahrten ab und zu wieder geöffnet, jedoch reichte es nicht mehr für eine florierende Seefahrt. Das machte aber den Fischländern nichts aus und sie fuhren von Rostock und anderen Häfen mit Segelschiffen in die Ostsee und die ganze Welt hinaus.  

Das Gebiet wird auch heute noch Fischland genannt. Weitere bekannte Orte in der Umgebung sind Dierhagen, Ahrenshoop, Prerow und Zingst. Diese liegen aber alle nicht mehr auf dem Fischland. Auf dem oberen Foto habe ich die Grenzen vom Fischland mit roten Linien eingezeichnet. Diese entsprechen in etwa auch den früheren Abflüssen der Recknitz zur Ostsee hin. 

Wichtig: In Beschreibungen wird meist von Fischland-Darß-Zingst gesprochen, wenn von dem Gebiet hier oben die Rede ist. Von Touristen werden einzelne Begriffe gerne Synonym verwendet, vor allem der Begriff Darß. Gehen wir noch mal in die Vergangenheit zurück. Der Fluss Recknitz hatte mehrere Abflüsse. Dadurch wurde das Gebiet der heutigen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in die Insel Fischland und die Insel Darß, sowie die Insel Zingst aufgespalten. Erst mit der Verlandung der Abflüsse entstand als Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Trotzdem werden von den Einwohnern sehr wohl noch die Begriffe unterschieden. Also z.B. Wustrow ist nicht der Darß, Born liegt nicht auf dem Fischland und Zingst hat auch nichts mit dem Darß zu tun usw. 

Inseln Darß Fischland um 1761 bearbeitet

Quelle des Ursprungsbildes: Wikipedia

Ganz früher lebten hier in diesem Gebiet ein Stamm der Slawen, nämlich die Wilzen. Die bauten auf dem heutigen Kirchberg ihr Heiligtum. Der Sage nach hat der Slawengott Svantovit den Hügel in einer Nacht aufgeschüttet und von dort aus mit seinem weißen Schimmel seinen Tempel gegen die Feinde verteidigt. Deshalb trug der Ort damals den Namen "Swante Wustrow" (Heilige Insel). Später wurde der Ort im Zuge der Christianisierung  als Kirchdorf bezeichnet, denn hier stand bis 1870 eine Feldsteinkirche. Diese wurde abgerissen und durch eine neue schmucke Kirche aus Backsteinen ersetzt. Ihr Turm ragt 18 Meter empor und diente früher den Seeleuten auf der nahen Ostsee und dem Bodden als Seezeichen zur Orientierung.   

Bekannt ist Ostseebad Wustrow auch durch die Seefahrtschule. 1846 als Großherzogliche Mecklenburgische Navigationsschule gegründet, wurden hier bis zur Wiedervereinigung tausende Seeleute ausgebildet und befuhren danach die Weltmeere. Aus diesem Grunde finden man auf dem Fischland viele alte Kapitänshäuser, welche liebevoll von den Besitzern restauriert wurden. Auch viele neue Gebäude wurden in diesem Stil errichtet. Leider werden dort keine Seeleute mehr ausgebildet, jedoch ist es möglich in der ehemaligen Seefahrtschule Zimmer zu mieten und den Urlaub zu genießen. 

Ostseebad Wustrow Collage

Übrigens Urlaub, der Niedergang der Segelschifffahrt machte auch den Wustrower Seeleuten zu schaffen. Zum Glück hatten die Menschen immer mehr Zeit und man konnte Urlaub machen oder zumindest sich von zehrenden Krankheiten kurieren lassen. Das nahmen die Wustrower zum Anlass das Dorf zu einem Ostseebad umzugestalten. Es wurde für preiswerte Urlaubsunterkünfte gesorgt und für das Strandwesen eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut. Von diesen Einnahmen lebt der Ort noch heute. Vorteil ist der schöne flache Strand mit weichem Sand, aber auch mit höheren Abschnitten (Hohes Ufer) wo man herrlich Steine sammeln kann. Traditionsgemäß gibt es am Strand viele Abschnitte mit FKK, wobei es dort eigentlich egal ist, ob Du an- oder ausgezogen bist. Mach es einfach, wie es Dir am besten passt.

Direkt am Strand wurde nach der Wiedervereinigung eine große Seebrücke gebaut. Hier lohnt es sich auf jeden Fall diese sich anzusehen und bis zum Brückenkopf zu gehen. Drehst Du Dich dann um, hast Du einen wundervollen Blick auf Ostseebad Wustrow und den Strand. Schaust Du auf das Meer hinaus, dann sind bei klarem Wetter viele Schiffe zu sehen, welche die Kadett-Rinne entlang fahren. Es ist eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. 

Die Luft ist überall erstklassig und in den letzten Jahren wurde das Fahrradnetz umfangreich ausgebaut. Im Ort gibt es zahlreiche Ausleihstationen, um per Fahrrad die Gegend zu erkunden. 

Am Binnenhafen gibt es viele Bänke zum Verweilen. Fahrgastschiffe fahren im Linienverkehr in die umliegenden Ortschaften oder gehen auf Entdeckungsreise. Hier findest Du auch viele alte Segelboote, welche Zeesen genannt werden. Diese erkennt man an den charakteristisch braunen Segeln. Manche fahren auch mit Gästen hinaus auf den Bodden. Zweimal im Jahr finden hier Regatten statt. Anfang Juni die Regatta der Zeesboote und Ende Juni die Regatta der Arbeitsboote (Kleine Fischländer Wettfahrt). In diesen Tagen ist dann rund um den Hafen richtig was los - Musik, Märkte und natürlich viel Essen. Am Hafen gibt es natürlich auch eine Fischräucherei, welche sehr zu empfehlen ist. 

Da Ostseebad Wustrow bzw. früher das Kirchdorf eine lange Tradition als Seefahrerort hat, lohnt sich auch ein Besuch der Fischländer Friedhofs. Hier haben viele Seeleute und andere Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden. Auf dem Friedhof gibt es alte Bäume und ein Besuch wird im Frühjahr/Sommer mit viel Vogelgesang belohnt. Du findest hier alte und neuere Grabsteine von Kapitänen und Seefahrern, welche von der Zeit als Seefahrerdorf erzählen. Zudem gibt es dort viele Gräber von bekannten Künstlern. 
Geht man bis zur Friedhofsmauer und schaut nach Süden und Osten, so hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Felder, den Ortsteil Barnstorf und den Bodden. 

Einen Besuch ist auch das Wustrower Windrad wert. Zwar sind Windräder heutzutage nichts besonders, jedoch gehört das Wustrower Windrad zu den ältesten überhaupt und ist heute ein technisches Denkmal. Es wurde 1989 noch in der ehemaligen DDR errichtet und hat eine Rotorhöhe von 25 Metern. Es steht auf einen Gittermast und dort befinden sich auch zahlreiche Mobilfunkantennen, welche für eine gute Netzabdeckung im Urlaub sorgen. Auf dem Weg dahin solltest Du vielleicht noch einen Blick auf den Skulpturenpark in der Nähe des Windrades werfen.

In den letzten 30 Jahren wurde in Ostseebad Wustrow erheblich gebaut. Vieles wurde abgerissen, neu gebaut, restauriert, umgebaut oder modernisiert. Aber es gibt sie noch, viele alte Häuser aus vergangenen Zeiten als Fischer- oder Seefahrerdorf. Viele wurden liebevoll und mit großen finanziellen Aufwand erhalten und restauriert.  Also am besten mal zu Fuß und ruhigen Schrittes durch den Ort gehen und nach alten Häusern suchen. Früher waren fast alle Häuser Büdnereien. Diese hatten einen bestimmten Anteil von Land und Vieh. Damit war es möglich, sich selbst zu versorgen. Dann durfte man auch heiraten. Pferde waren übrigens den Büdnerein verboten. Dieses Recht hatten nur die Hufen der Bauern. 
Hatten die ganz alten Häuser früher Dächer aus Schlif (Reet) und waren Fachwerkhäuser, so gab es später mit dem Erstarken der Seefahrt Häuser aus Stein mit einem Ziegeldach (meist Krüppelwalm) - Kapitänshäuser. Viele strohgedeckte Häuser sind auch wärend des großen Brandes 1969 verloren gegangen. Später nach 1900 kamen mit dem Strandwesen noch viele Stadtvillen hinzu. 

Feste gibt es selbstverständlich im Ort auch viele. Neben diversen kleineren Einzelveranstaltungen sind hier bedeutend das Wustrower Standgalopprennen zu Ostern, der Nordic Walking Day, die Wustrower Einkaufsnacht, die zwei genannten Regatten im Hafen, das Tonnenabschlagen, das Seebrückenfest, der Wustrower Weihnachtsmarkt und der Jahreswechsel.  Darüber hinaus gibt es noch viele andere. 

Besondere Bedeutung unter den Festen hat noch das Tonnenabschlagen. Jeden zweiten Sonntag im Juni versammeln sich auf dem Wustrower Festplatz unerschrockene Reiter und Reiterinnen um traditionsgemäß hoch zu Ross mit einer Keule auf ein aufgehängtes Heringsfass einzuschlagen. Je nachdem welches Stück als letztes herausgeschlagen wird, gibt es dann einen Bodenkönig, Stäbenkönig oder zu guter Letzt einen Tonnenkönig. Die Tradition reicht sehr lange zurück. Der genaue Ursprung ist nicht genau zu sagen. Eine Erklärung ist, dass mit dem Abzug der Schweden 1815 aus dem besetzten Vorpommern, auch der Zehnte vom Fischfang entfiel und aus Freude darüber, wurde eine aufgehängte Heringstonne zerschlagen. Neuere Forschungen gehen davon aus, dass es diesen Brauch bereits nach dem 30-jährigen Krieg gab. Wie auch immer auf jeden Fall ist es ein großes Spektakel. Besonders alle welche Freude an Pferden haben, kommen hier auf Ihre Kosten. Man muss nur ein wenig Zeit einplanen, da das letzte Stück der Tonne oft nicht abfallen will und dann kann es sehr lange dauern.    

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Gero Kurtz

Webmaster und Autor dieser Webpräsenz

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